Der Urlaub 2020 verlief für viele von uns anders als geplant. Bedingt durch die Corona-Pandemie fiel er für einige komplett ins Wasser, musste kurzfristig umgebucht werden oder fand im heimischen Garten statt. Doch was macht eigentlich den Urlaub zum Urlaub? Und wie können wir Urlaubseffekte auch ohne die geplanten Ferien in unseren Alltag integrieren? Diese Fragen stellen sich auch unabhängig von Covid-19.

Tapetenwechsel, Abstand vom Alltag, mit der Familie gemeinsam etwas unternehmen, neue Länder und Kulturen kennenlernen, die Seele baumeln lassen, Spaß haben. Das sind Motive, die viele für ihren Urlaub angeben. Doch lässt sich das nur bei einer Fernreise erleben? Wie entsteht unser individuelles Urlaubsfeeling? Und wie können wir es auch ohne zu reisen im Alltag nutzbar machen? Wir geben Ihnen hierfür sieben Tips.

Was macht den Urlaub zum Urlaub?

Egal ob Jahresurlaub oder Kurztrip an die See. Für die meisten beginnt der Urlaub schon viel früher. Bereits mit der Urlaubsplanung betreten wir neurobiologisch gesehen einen anderen mentalen Raum, der uns weg vom Alltag führt. Hieraus hat sich mit der Mental-Space-Psychology unseres niederländischen Kollegen Dr. Lucas Derks eine ganz eigene Wissenschaftsdisziplin entwickelt.

Versetzen Sie sich für eine Moment an Ihren Lieblings-Urlaubsort. Wählen Sie eine typische Situation, die für Sie maximal mit Ihrem speziellen Urlaubsgefühl verbunden ist. So, als würden Sie die Situation mit allen Sinnen genau jetzt nochmal erleben....

Unsere Coachingklienten beschreiben hier ein Gefühl der totalen Entspannung, das eng verbunden ist mit einem räumlichen Erleben außerhalb der Routine. „Es ist tatsächlich, als wäre ich in meinen Ferien in einem anderen Raum, der nichts mit meinem Alltag zu tun hat. Ich sitze am Meer, mein Blick ist auf den Horizont gerichtet und ich genieße die sanfte Brise, das Rauschen der Wellen, rieche die salzige Luft und bin ganz bei mir. Alltagsstress gibt es hier nicht“, beschreibt es die 44-jährige Karin B. „Doch warum gelingt es mir nicht, dieses Urlaubsgefühl in mein normales Leben zu integrieren? Es ist fast so, als wäre ich im Alltag ein anderer Mensch“, bringt sie auf den Punkt, was viele beschäftigt.
 

1. Tip Urlaub-im-Alltag: Auszeiten aktiv planen

Wir alle kennen diesen Effekt: Wir stellen uns unmittelbar vor, wie es sein wird, am Urlaubsort anzukommen, was es dort zu sehen, zu hören, zu riechen und schmecken gibt. Und ganz besonders wie wir uns fühlen, wenn wir uns bereits gedanklich dorthin „beamen“. Ganz nach dem Motto „Vorfreude ist die schönste Freude“, öffnen wir unsere Submodalitäten, sprich die neurobiologischen Feineinstellungen unserer Wahrnehmung schon mit der Planungsphase. Alle Sinne werden direkt angesprochen, was sich unmittelbar auf unser Wohlbefinden auswirkt.

Das erklärt auch, warum wir häufig so enttäuscht sind, wenn sich später am Urlaubsort unsere Vorstellungen nicht erfüllen wie gedacht. Wenn sich z.B. unser malerisches Hotel am Meer in der Nähe einer quirligen Disco befindet und wir kein Auge zumachen. Ruhe und Entspannung sind zwei zentrale Kriterien, die sich die meisten von uns von ihrem Urlaub versprechen.

Planen Sie auch für Ihren Alltag gezielte Auszeiten. Vielleicht einen schönen Wochenendausflug mit Freunden - etwas, was Ihnen schon in der Vorbereitung Spaß macht und Ihre Sinne anregt. Urlaub muss es nicht nur einmal im Jahr geben, kleine Urlaube und Auszeiten lassen sich genauso gut planen und bringen dann mehrfache Vorfreude.

2. Tip Urlaub-im-Alltag: Defokussieren

An einem Wohlfühlort unseren Blick häufiger einfach mal in die Ferne schweifen lassen, unseren Gedanken freien Lauf lassen. Ruhe und Entspannung finden, ganz für sich sein. Das ist einer der Urlaubseffekte, den viele von uns beschreiben. Dieser lässt sich bequem in den Alltag integrieren, wenn wir uns häufiger Pausen nehmen, um gezielt zu defokussieren. Das heißt unsere Aufmerksamkeit schweifen lassen, egal ob beim Wandern in der Natur oder Entspannen an einem ruhigen Platz.
 

3. Tip Urlaub-im-Alltag: Das Hamsterrad von außen betrachten

Im Alltag sind wir oft auf das fokussiert, was wir uns für den Tag vorgenommen haben und erst zufrieden, wenn wir alles Punkt für Punkt abgearbeitet haben. Diese Fokussierung lässt unsere Submodalitäten quasi innerlich „zusammenklappen.“ Wir nehmen nur noch unser Ziel wahr und blenden alles andere aus. Längst ruft unser Körper nach einer Pause, aber wir machen unbeirrt weiter, denn nach diesem Ziel warten ja schon die nächsten: Arbeit, Haushalt, Kinder, Einkaufen....Nahezu jeder kennt dieses Hamsterrad.

Heraus kommt daraus nur, wer es gezielt verlässt. Schauen Sie sich Ihr tägliches Hamsterrad wie ein wohlwollender Beobachter von außen an: Welchen Urlaubseffekt bräuchten Sie als erstes um sich wohler zu fühlen? Vielleicht sind es weniger und kleinere Ziele für den Tag? Mehr Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit? Mehr Pausen mit wirklicher „Ich-Zeit“?

4. Tip Urlaub-im-Alltag: Häufiger die Seele baumeln lassen statt Freizeitstress

A propos Freizeit: Für viele von uns ist diese auch mit Aufgaben und Anforderungen überfrachtet. Von „einfach mal die Seele baumeln lassen“ oder „dolce vita“ keine Spur, weil wir ständig das Gefühl haben, auch hier neue (Höchst-)Leistungen vollbringen zu müssen. Doch Wissenschaftler wie z.B. Harald Lesch bestätigen längst die Kraft der kreativen Langeweile. Erst wenn unser Gehirn vermeintlich gar nichts zu tun hat, reifen neue Ideen, finden wir auf einmal Lösungen für unsere Probleme.

Beginnen Sie vielleicht damit, am Wochenende einfach mal Ihr Handy, Ihren PC oder Ihr Tablet auszuschalten...und sei es nur für eine Stunde.

5. Tip Urlaub-im-Alltag: Bewegung, Sport und Ruhe im Terminkalender einplanen

Das bedeutet nicht, dass wir uns körperlich gar nicht mehr fordern sollen. Ganz im Gegenteil!

Begeistert erzählen wir nach dem Urlaub häufig, wie toll wir in den Ferien abgenommen haben und wie gut uns die Bewegung beim Wandern, Fahrradfahren oder Schwimmen getan hat. Doch kaum sind wir zu Hause, nehmen wir uns hierfür keine Zeit mehr. Planen Sie wöchentlich feste Termine für Ihre persönliche Gesundheit in Ihrem Terminkalender ein. Hierzu gehören Phasen der körperlichen Anstrengung genauso wie Ruhephasen und ausreichender Schlaf. Entscheidend ist eine gute Balance aus Bewegungs- und Ruhephasen.
 

6. Tip Urlaub-im-Alltag: Kopf, Herz und Bauch in Einklang bringen

Im Urlaub gehen wir flexibel mit unseren Zielen um, weil wir mehr auf unsere Gefühle achten: „Für den Besuch der Ausgrabungsstätte ist es heute viel zu heiß...das geht ja auch morgen oder nächste Woche.“ Unser Gefühl sagt uns, dass wäre bei der Hitze viel zu anstrengend.

Im Alltag „gewinnt“ meistens unsere Kognition bedingt durch die starke Fokussierung auf ein Ziel. Und hierauf bilden wir uns häufig noch viel ein, weil wir ja so „vernunftbegabt“ sind. Doch wer bei Entscheidungen häufiger auf seinen Bauch und sein Herz hört, kommt rascher zu einer wirklich kongruenten Entscheidung. Genauso wie unser Gehirn verfügt unser Magen-Darm-Trakt ebenso wie unser Herz über ein eigenes neuronales Netzwerk – nur gerne überhören wir deren Botschaften. Achten Sie deshalb häufiger auf Ihr Herz- oder Bauchgefühl!

7. Tip Urlaub-im-Alltag: Innere Glaubenssätze überprüfen und transformieren

Während wir uns im Urlaub selbstverständlich Raum und Zeit für unsere Bedürfnisse nehmen, verwehren wir uns diesen Urlaubseffekt häufig im Alltag. „Im Alltag ist alles so stressig“, „Ich darf mir keine Zeit für mich gönnen“, „Meine Bedürfnisse stehen hinter denen meiner Familie“. Doch nur mal angenommen, Sie suchen sich gezielt eine wöchentliche Auszeit und sei es nur eine Stunde, die nur Ihnen gehört? Was wäre dadurch möglich? Wie würde sich ihr Wohlbefinden hierdurch steigern?
 

Stress ist ein mentales Modell, das in uns selbst entsteht und das wir durch unsere häufig in früher Kindheit gelernten – aber meist nicht hinterfragten – inneren Glaubenssätze selbst „befeuern“. In unseren Coachings unterstützen wir unsere Klienten dabei, hinderliche Glaubenssätze zu prüfen und so zu transformieren, dass sie sie kraftvoll im Alltag stützen.

Fazit:

Um unsere ersehnten Urlaubseffekte im Alltag zu erleben, braucht es keine teure Fernreise. Wir sind im Urlaub wie im Job oder zuhause ein- und derselbe Mensch, nur in jeweils anderen Kontexten. Wissen wir, welche Effekte uns wichtig sind, können wir tagtäglich ein Stück Urlaub mit allen Sinnen erleben. Und vielleicht helfen Ihnen unsere sieben Tips dabei.

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