Im Unternehmen wie privat müssen Entscheidungen unserem Wesenskern entsprechen

Wer kennt das nicht: Wir haben das Gefühl bei einer unternehmerischen oder privaten Entscheidung an einer Weggabelung zu stehen und wissen nicht, ob wir links oder rechts gehen, einfach stehen bleiben oder gar umkehren sollen. Könnten wir doch in die Zukunft schauen und sehen, wohin die eine oder die andere Entscheidung das Unternehmen oder uns als Person führen wird.

Woran erkenne ich schon vor der eigentlichen Entscheidung, ob sie zukunftsfähig für das Unternehmen ist oder zu meiner persönlichen Entwicklung beiträgt? Und wann ist eine Fehlentscheidung vorprogrammiert? Was die Unternehmens-Seele oder der Kern unserer Identität hiermit zu tun haben, zeigt das Beispiel der Firma Xerox.

Weltweit bekannt für ihre Fotokopiergeräte, stand die Firma Xerox in den 80-iger Jahren exakt an einer solchen Weggabelung[1]: Der Marktführer sah sich vor dem Problem, dass angesichts des wachsenden PC-Marktes in Zukunft niemand mehr Kopiergeräte brauchen würde. Innerhalb des Unternehmens existierte seit Jahren eine kleine Entwicklungsabteilung für Personal-Computer. Heute weiß kaum jemand noch, dass Xerox mit dem STAR-Computer dort den Vorläufer des heutigen MAC entwickelt hatte. Genau mit dieser Technologie wollte Xerox seine Führungsposition halten und sich von den Kopierern verabschieden. Denn wenn sich wie damals vermutet, der Trend zum papierlosen Büro ausweiten würde, bräuchte niemand mehr Kopierer, lautete die Unternehmenslogik.

Das Problem hierbei war allerdings, dass niemand den Namen XEROX mit PCs in Verbindung bringen konnte oder wollte. Die Berater rieten XEROX von diesem Weg dringend ab. Es waren Robert Dilts, Richard Bandler und John Grinder, die heute international zu den anerkanntesten Trainern und Weiterentwicklern des Neuro-Linguistischen-Programmierens (NLP) gehören. Für sie als Externe war leicht zu erkennen, dass sich das Unternehmen mit einer solchen Entscheidung von seinem Wesenskern und seiner Kernkompetenz - Marktführer für Fotokopierer zu sein - verabschiedet hätte. Einen solchen Identitätswechsel hätten die Verbraucher genauso wenig verstanden, als wenn NIVEA heute z.B. Flugzeuge oder die Firma KNORR Spielzeug bauen würde. 

Das bedeutet nicht, dass XEROX insbesondere aufgrund der bereits bestehenden PC-Entwicklungsabteilung (wo übrigens auch die Computer Maus erfunden wurde) hierzu nicht in der Lage gewesen wäre. Vielmehr empfahlen die Berater XEROX, ihre Kernkompetenzen auszubauen „ihre eigene Identität zu pacen und zu leaden, was konkret bedeutete, den eigenen Kopiergeräten computergestützte Erweiterungen hinzuzufügen.“[2]Statt sich auf einen völlig neuen Markt zu konzentrieren, rieten die Berater, das Beste aus beiden Welten zu verbinden: Moderne Kopierer zu entwickeln, mit denen man beschriebene Blätter scannen und in PCs einlesen kann. So kam es auch. Ohne diese Entscheidung wäre das US-Unternehmen wahrscheinlich bereits längst vom Markt verschwunden. 

Bezogen auf unternehmerische und persönliche Entscheidungen bedeutet dies: Veränderungen müssen uns und unserem Wesens-Kern entsprechen. Wenn wir diesem Grundsatz folgen, haben wir eine sichere Grundlage dafür, Entscheidungen zu treffen, die genauso erfolgreich wie nachhaltig sind. 

Dem Wesens-Kern auf die Spur kommen: Die Neurobiologischen Erfolgsfaktor-Ebenen 

Doch wie erkennt ein Unternehmen oder erkenne ich als Individuum, was meinen Wesenskern ausmacht, wo mein Potenzial liegt und wie ich es bestmöglich entfalten kann? Und was habe ich dann in puncto Entscheidungsfindung gewonnen?

Eine hervorragende Methodik, um dem Unternehmens- oder unserem persönlichen Kern auf die Spur zu kommen, sind die Neurobiologischen Ebenen unserer Wahrnehmung, die von Robert Dilts entdeckt und inzwischen erweitert wurden.[3][4]

Unser Gehirn ist wie jedes biologische oder soziale System in Form von verschiedenen Ebenen sortiert, über die auch die Verarbeitung erfolgt. Das Gleiche gilt für Unternehmen, die über unterschiedliche Organisationsebenen aufgebaut sind. Diese reichen von unserem konkreten Umfeld, über unser Verhalten und unsere Fähigkeiten bis hin zu unseren Werten und Überzeugungen, unserer Identität und unserer Bestimmung. Über diese sechs „Erfolgsfaktor-Ebenen“ wie Dilts sie auch bezeichnet, organisiert und definiert sich ein Unternehmen genauso wie ein Individuum. 

Ergänzt hat Robert Dilts diese Ebenen in seinem jüngsten Werk um die Begriffe "Ego" und "Seele". Als Individuen definieren wir uns zwar als „separates Ganzes“ (z.B. aus vielen Zellen bestehend) und gleichzeitig fühlen wir uns als Menschen bestimmten Gruppen zugehörig und verbunden: Unserer Familie, unseren Freunden, unserer Heimat oder der Natur. Die Seele verweist Dilts zufolge auf den tiefsten Teil unseres Charakters. „Unsere Seele ist die einzigartige Lebenskraft, die Essenz oder die Energie, mit der wir in die Welt kommen und welche durch uns in die Welt kommt.“[5]Neugeborene kommen ohne Ego auf die Welt, das stark durch die jeweilige Kultur, soziale Normen und Regeln mitgeprägt wird. Doch sie verfügen von Anfang an über eine "einzigartige Energie" und ein "einzigartiges Wesen."

So gesehen ist das Ego der „Kanal“, durch den sich die unternehmerische oder persönliche Lebenskraft bzw. Wesenskern in der Welt ausdrückt. Dieser Kanal ist immer dann offen, wenn Ego und Seele in einem gesunden Maß aufeinander ausgerichtet sind. Der Kanal verengt oder schließt sich aber dann, „wenn das Ego aufgeblasen, entleert, starr oder von Überlebensstrategien ergriffen ist(...).“[6]

Die Klärung jeder einzelnen dieser Ebenen bezogen auf die unternehmerische oder persönliche Entwicklung zeigt sehr schnell und eindeutig, ob sich das Unternehmen /das Individuum zwischen Ebene und Seele als ausbalanciert oder in Schieflage erlebt. Robert Dilts: „Unsere Höchstleistungsphasen treten dann auf, wenn die mit Ego und Seele verbundenen Erfolgsfaktor-Ebenen ausgeglichen, ausgerichtet und integriert sind.“ [7] Erlebt ein Unternehmen oder eine Person dagegen auf einer oder gar allen Ebenen eine Schieflage, ist das ein wichtiger Indikator dafür, dass eine bestimmte Entwicklung in eine falsche Richtung läuft, wir wichtige Botschaften noch nicht berücksichtigt haben oder sogar verleugnen. Dann ist eine Fehlentscheidung vorprogrammiert.

Für die Padberg-Beratung ist die Arbeit mit den Neurobiologischen Erfolgsfaktor-Ebenen fester Bestandteil in der Unternehmensberatung und im Coaching von Führungskräften. "Unsere Erfahrung zeigt, dass Unternehmen hierdurch Projekte unterschiedlichster Größenordnung und Art viel schneller und erfolgreicher ins Ziel bringen können als mit klassischen Beratungsmethoden", unterstreicht Ekkehart Padberg, Geschäftsführer der auf Management, Training und Coaching spezialisierten Firma.

Fazit: 
Die Klärung jeder einzelnen der Neurobiologischen Erfolgsfaktor-Ebenen im Zusammenspiel mit der Balance zwischen Ego und Seele führt uns zu stimmigen Entscheidungen, die im Einklang mit unserem Wesenskern stehen. Er verbindet alle Neurobiologischen Erfolgsfaktor-Ebenen zu einem homogenen Ganzen. Erlebbar sind der Wesenskern wie diese Balance für uns als Individuen sowie im Unternehmen über ein Gefühl der tiefen inneren Stimmigkeit, zu dem Kopf, Bauch und Herz eindeutig "ja" sagen.

Damit gibt die Herausarbeitung des Wesenskerns uns als Person genauso wie jedem Unternehmen langfristig Klarheit und Stabilität. Das Ergebnis ist ein eindeutiges und klares Profil. Ist das vorhanden, ist auch der Weg für kongruente Entscheidungen frei.

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[1]Dilts, Robert: Die Veränderung von Glaubenssystemen, NLP-Glaubensarbeit, Junfermann Verlag, Paderborn, 2010, S. 17 ff.

[2]Dilts, Robert B., 2010, S. 21.

[3]Vgl. Dilts, Robert B., ebenda, S. 15 ff.

[4]Dilts, Robert B.: Next Generation Entrepreneurs, Lebe Deinen Traum und schaffe eine bessere Welt durch Dein Unternehmen, Success Factor Modeling, Band I, Castle Mount Media, 2016, S. 14 ff.

[5]Dilts, Robert B., 2016, S. 25.

[6]Ebenda.

[7]Ebd. S. 28.