Führen in vernetzten Systemen: Worauf es für Führungskräfte heute ankommt

In unserer heutigen hochvernetzten Welt Führungskraft zu sein, stellt diese bezogen auf die eigene Persönlichkeit vor große Herausforderungen. Mehr als je zuvor ist die Erwartung an eine Führungskraft, ein persönliches Vorbild für die eigenen Mitarbeiter zu sein: Eine ausgereifte Persönlichkeit, die unter hoher Belastung gelassen bleibt und Orientierung gibt, wo andere den Überblick verlieren. Die persönliche Kongruenz der Führungspersönlichkeit wird damit zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Worauf kommt es hierbei an? Und wie funktioniert das in der Unternehmenspraxis? 

In den Zeiten vor dem Internet war Führen eine vergleichsweise simple Aufgabe. Der Normalbürger wie der normale Angestellte hatten relativ wenige Quellen, um sich zu informieren, was an anderen Stellen in dieser Welt los oder möglich war. Informationsquellen waren die unmittelbaren Bezugspersonen und Kollegen, das Fernsehen, Radio, Bücher und Zeitschriften. Alle Beteiligten mussten größtenteils also zunächst einmal glauben, was ihnen als Regeln und Glaubenssätzen vorgebetet wurde. So ließen sich über viele Jahrzehnte althergebrachte Methoden der Hierarchie und Zusammenarbeit aufrechterhalten, auch wenn diese schon damals an vielen Stellen nicht hilfreich waren. 

Mit der Entstehung des Internets und des damit verbundenen E-Mail-Verkehrs, erweiterten sich die möglichen Informationsquellen dramatisch. Dinge, die wir zuvor für festes Wissen hielten, zeigten sich als nicht mehr haltbare Meinungen und tradierte Glaubenssätze. Hierarchien wurden zunehmend hinterfragt und die unmittelbare Vernetzung der Menschen über alle Hierarchieebenen und Standorte hinweg nahm exponentiell zu. Alle Versuche, dies im Sinne einer klassischen hierarchischen Führung unter Kontrolle zu bringen, scheiterten kläglich. Trotzdem gibt es heute immer noch einige Führungskräfte, die versuchen, diesen althergebrachten Führungsstil aufrecht zu erhalten. 

Unsere heutige Arbeitswelt wie auch weite Teile unsers privaten Lebens sind dagegen geprägt von einer permanenten Vernetzung mit unserer Umwelt. Durch vernetzte IT-Systeme, Smartphones, Socialmedia etc. ist die systemische Vernetzung noch einmal um ein Vielfaches angestiegen. 

Hinzu kommt, dass jeder zu jeder Zeit alles kommentieren und hinterfragen kann. Damit nimmt bei gleichzeitiger Zunahme der Informationsquellen und Vernetzungen die Übersichtlichkeit und die Orientierung dramatisch ab. Viele Menschen sehen sich mit dieser Flut an Informationen regelrecht überfordert. Die Vielfalt der Informationsquellen führt zunehmend zum Missbrauch von Daten: Angriffe, Manipulations- oder Betrugsversuche über das Internet oder sogenannte „alternative Fakten“ sind einige dieser Auswüchse.

Guter Kontakt, Vertrauen und eine wertschätzende Haltung 

Um uns in einer solchen Welt zurecht zu finden, suchen wir Orientierung über Menschen und Informationsquellen, denen wir vertrauen können. Jede Information wird in einer solchen Umwelt zunehmend durch den Wahrnehmungsfilter „Vertrauen“ geschickt. Jede Form von Irritation auf dieser Ebene führt schnell zu Eskalationen und Überbewertungen. Im persönlichen Kontakt wird dieser Filter daher noch extremer genutzt, da das gesamte Neurosystem durch die Vielzahl von Informationen bereits hoch belastet ist.

Ein gutes Beispiel hierfür sind Teambesprechungen, bei denen die Teilnehmer in ihre  Laptops vertieft oder mit ihren Smartphones beschäftigt sind. „Da die Aufnahmefähigkeit des Einzelnen bezogen auf den Inhalt des Gespräches hierdurch auf nahe Null sinkt, löst dies unmittelbar Irritationen aus. Dort, wo nur teilweise Kontakt besteht oder der Kontakt nicht durch Vertrauen gekennzeichnet ist, werden Botschaften oftmals anders verstanden als erwartet, da schon kleinere Unschärfen in der Sprache, Körpersprache, Intonation etc. zu deutlich anderen Bewertungen führen können, als den erwünschten“, betont Ekkehart Padberg, Geschäftsführer der Padberg-Beratung. Mit dem Effekt, dass jeder aus der Besprechung mit einer anderen Botschaft herausgeht, was zu Missverständnissen in der Kommunikation und negativen Arbeitsergebnissen führen kann. 

Gutes Verstehen hängt deshalb immer an der unmittelbaren Qualität des Kontaktes und dem damit verbundenen Vertrauen. Für Führungskräfte ist das Vertrauen der Mitarbeiter in ihre Führungskraft essentiell. Ekkehart Padberg: „Führungskraft zu werden und zu sein, bedeutet heute damit im Kern, die Fähigkeit zu besitzen, guten Kontakt aufzubauen, das Vertrauen der Mitarbeiter zu gewinnen sowie dieses durch klare wertschätzende Haltung dauerhaft zu rechtfertigen.“ Dies galt zwar grundsätzlich auch in der Vergangenheit schon, doch waren die Konsequenzen nicht so unmittelbar. "Die Bereitschaft sich einer Führungskraft unterzuordnen, die diese Eigenschaften heute nicht besitzt, sinkt erheblich", weiß der Unternehmensberater aus seiner über 20-jährigen Praxis.

Gleichzeitig muss eine Führungskraft heute in der Lage sein, sich in den unternehmensrelevanten Netzwerken selbst gut persönlich zu „verdrahten“ sowie das Vertrauen der Mitarbeiter zu gewinnen und aufrecht zu erhalten. Was für die Mitarbeiter, Kunden und Netzwerkpartner vor Ort zutriftt, gilt in besonders sensibler Form für Geschäfts-, Netzwerkparnter und Mitarabeiter an ausländischen Standorten oder in verteilten Teams in der Fläche. Da alle Systeme neben der offiziellen Struktur über eine Vielzahl von Substrukturen und Socialmedia-Vernetzung verfügen, werden auch kleinere Unschärfen in der eigenen Haltung und Persönlichkeit unmittelbar sichtbar, quer durch die Organisation kommuniziert und eskaliert (Shitstorm).
 

Führen will gelernt sein: Walk your talk- Die Rollenklarheit herausarbeiten und trainieren

Um innerhalb dieser hochvernetzten Systeme als Führungskraft sichtbar und für die vielen anderen Akteure klar identifizierbar zu werden, muss sie quasi eine Art Leuchtturm sein: Sie muss klar und unmissverständlich und vor allem "wert"schätzend kommunizieren, z.B. für welche Werte sie ganz konkret steht und wie sie diese selbst sowie in Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeitern, Kunden und Netzwerkpartnern (vor)-lebt. Erst wenn dies für die Mitarbeiter und das Unternehmen sicht- und erlebbar wird, wird eine Führungskraft als authentisch wahrgenommen. "Walk what you talk heißt hier die Devise. Was mir als Führungskraft wichtig ist, muss für die Mitarbeiter über alle Hierarchieebenen errlebbar sein. Zum Beispiel dadurch, dass sie mit der Auszubildenden genauso gekonnt kommuniziert wie mit einem Fachkollegen oder dem Chef", hebt Ekkehart Padberg hervor.

Um der Rolle als Führungskraft gerecht zu werden, ist es von entscheidender Bedeutung, diese Rolle individuell zu klären und mit Konsequenz vorzuleben. Diese Rolle herauszuarbeiten ist ein Prozess, der über mehrere Stufen geht und auch die individuelle Lebenssituation mit einbeziehen muss, da diese letztendlich mit allen ihren Facetten Einfluss auf die Gesamtmotivation und Haltung hat. 

Die Annahme, dass Führungskräfte diese Rollenklarheit von alleine finden, mag im Einzelfall stimmen. Die Erfahrungen der Padberg-Beratung zeigen, dass Führen gelernt sein will. Junge Führungskräfte mit dieser Herausforderung alleine zu lassen, ist im Sinne des Unternehmens fahrlässig und führt nicht selten zu Irritationen im Team und zu Überlastungserscheinungen bei den Führungskräften. Diese Rollenklarheit herauszuarbeiten und zu trainieren, ist daher ein wesentlicher Schritt für jede Führungskraft, wenn sie auf Dauer erfolgreich in hoch vernetzten Systemen führen will.

Die Padberg-Beratung begleitet seit fast 20 Jahren diese Transformationsprozesse und unterstützt ihre Kunden dabei, den zentralen Erfolgsfaktor - die Mitarbeiter und Führungskräfte - auf die zukünftigen Anforderungen vorzubereiten und bei der Umsetzung zu begleiten.


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