Der mentale Raum als Kern von Sinn und Produktivität

Sind Sie Ihrer Konkurrenz „um Meilen voraus“? Oder sind Ihnen die Wettbewerber bereits „auf den Fersen“ und die Konkurrenz „sitzt“ Ihnen im Nacken“? Haben Sie das Gefühl bei Ihrer Arbeit „keinen Fuß auf den Boden“ zu kriegen und ständig mehr „aufgeladen“ zu bekommen? Oder fühlen Sie in Ihrem Unternehmen „rundherum“ wohl und auf dem „Gipfel" Ihres Erfolges? 

Vermeintlich metaphorisch, sind diese Aussprüche vielmehr der neurobiologisch hoch wirksame Ausdruck unseres inneren dreidimensionalen Erlebens. Es prägt unsere Wahrnehmung und Denken genauso wie unser Verhalten und Fühlen. Denn Raum ist das primäre Organisationsprinzip unseres Gehirns, wie der niederländische Sozialpsychologe Dr. Lucas Derks in seinem jüngst erschienenen Buch zur Mental Space Psychology (MSP) eindrucksvoll zeigt.Und dieses Prinzip können sich auch Unternehmen nutzbar machen.

Lucas Derk's Erkenntnis bringt es auf den Punkt: Bewusst, wie unbewusst organisieren wir uns als dreidimensionale Wesen im dreidimensionalen Raum. Und die Nutzung dieser 3D-Erfahrung eröffnet Unternehmen zum Beispiel in puncto Strategieentwicklung und -Umsetzung völlig neue "Wege" und öffnet ungeahnte "Türen"..... Sehen Sie, wir sind schon mitten im Thema.

Die individuelle räumliche Erfahrung beginnt schon damit, dass wir uns selbst nur als „Ich“ benennen können, wenn wir einen „Standpunkt“ haben. Wird unser Rolle und unser Standpunkt unscharf, führt dies häufig zu Irritation. 

Auch unsere sozialen Beziehungen, beruflich wie privat, sind räumliche Konstruktionen. So lassen wir nur wenige Menschen wirklich „nahe an uns heran“, andere „halten wir lieber von uns fern“. Auch gesundheitliche Phänomene erleben wir sehr räumlich, wenn wir z.B. sagen: „Ich habe einen Kloß im Hals“, „ich schiebe etwas vor mir her“ oder „das habe ich hinter mir“. Selbst Glaubenssätze über die Welt sind ein räumliches Konstrukt, da wir mit ihnen beschreiben, in welcher Qualität wir Werte in der Welt erleben oder erleben wollen. So „umgehen" wir bestimmte Themen, andere „belasten“ uns oder wir fühlen uns vielleicht „unterdrückt“. Unterstützt werden diese Erlebnisse bei fast allen Menschen durch körpersprachliche Gesten, mit denen sie ihren Raum entsprechend markieren.

Tatsächlich verwenden wir sehr viele räumliche Metaphern, um unsere Welt und das, was uns bewegt, zu beschreiben. Wie die Arbeiten von Lucas Derks zeigen, sind sie aber viel mehr als das. Denn sie entsprechen der Art, wie unser Gehirn Informationen abbildet. Vergleichbar ist dies mit einer Geodatenbank wie z.B. Google-Maps, in der hinter jedem relevanten Punkt auf der Landkarte Bilder und Informationen hinterlegt sind. Bei uns kommen hier noch alle anderen Sinneseindrücke und Gefühle hinzu. Diese relevanten Erinnerungspunkte bezeichnet man als „Mental Spacial Indices (MSI)“. 

Gehen wir durch unsere Erinnerungen, sind es diese MSI’s, die wir nutzen, um unsere Erfahrungen zu benennen und unsere Glaubenssätze zu begründen. Läuft alles gut, ergibt sich aus diesen MSI’s eine in sich schlüssige Erfahrungskette, in der sich unsere Erlebnisse aufbauen und gegenseitig stützen. Dies bildet die Grundlage unserer Persönlichkeit und gibt uns das Profil, das wir haben. Bei traumatischen Erfahrungen wird diese schlüssige Kette unterbrochen, in dem wir Erlebnisse, die eigentlich in unserer persönlichen Timeline weiter zurück liegen, immer wieder neu aktivieren und diese damit in unsere Gegenwart mitschleppen. 

Dies führt dazu, dass sich im Hier und Jetzt Verhaltensweisen zeigen, die meist aus einem anderen Zeitalter unserer Persönlichkeitsentwicklung stammen. Man nennt dies einen Imprint.

Im ersten Moment klingt das fast schon zu einfach. Doch zeigen die klinischen Experimenten von Lucas Derks sowie die Praxis, dass die gezielte Nutzung dieser Phänomene erstaunliche Coaching- und Therapieerfolge ermöglichen.

 

MSP im Unternehmenskontext

Doch was bedeutet dieses dreidimensionale Prinzip im Unternehmenskontext und wie lässt es sich hier professionell nutzen? 

Unternehmen sind vom Grundprinzip her ebenfalls räumliche Konstrukte, die einen Ort haben, an dem sie existieren und idealerweise stehen sie für etwas, was ihre Rolle im Markt definiert. Der Begriff „Markt“ ist ebenfalls ein räumliches Konstrukt, mit dem wir darstellen, dass auf einem „Marktplatz“ ein Wettbewerb zwischen Anbietern ähnlicher oder gleicher Produkte stattfindet. Auch wenn wir von einer „Unique Selling Position“ (USP) sprechen, nutzen wir eine räumliche Begrifflichkeit, um die Position eines Unternehmens im Markt zu beschreiben.

Betrachten wir die Glaubenssätze und Annahmen eines Unternehmens, treffen wir auch hier auf eindeutige räumliche Konstruktionen. Haben wir das Gefühl, dass uns der „Wettbewerb auf den Fersen“ ist, bezeichnet dies ein Phänomen, in dem wir den Wettbewerber als näher erleben, als uns liebt ist. Haben wir das Gefühl, wir seien Marktführer, erleben wir uns meist als größer und die Wettbewerber sind kleiner und weiter entfernt. 

Die Liste dieser Beispiele lässt sich beliebig erweitern. Hintergrund dafür ist, dass wir unsere eindimensionale Sprache in ein dreidimensionales Erleben zurückübersetzen müssen, um uns etwas "vorstellen" zu können. Damit die Vorstellung vollständig genug für eine innere Repräsentation wird, sind üblicherweise die Hauptwahrnehmungskanäle Sehen, Hören und Fühlen beteiligt. Selbst der Begriff „Vorstellung“ ist eine dreidimensionale Konstruktion, die nicht weniger beschreibt, als dass wir etwas „vor“ uns stellen, um es betrachten und einschätzen zu können. Solange die Begrifflichkeiten abstrakt bleiben und keine gemeinsame Übersetzung für eine dreidimensionale Vorstellung existiert, ist es nicht möglich, mit diesen Begrifflichkeiten sinnvoll zu arbeiten. 

Je komplexer die Welt wird, in der wir leben und arbeiten desto wichtiger wird damit auch die Anforderung, diese im wörtlichsten Sinne „vorstellbar“ und „begreifbar“ zu machen. 

 

Die Unternehemens-Strategie muss vor der Umsetzung räumlich erfahrbar sein

Geht es also darum, eine Unternehmens-Strategie z.B. für eine Neuausrichtung zu entwickeln, ist die dreidimensionale Abbildung dessen, was da neu geschaffen werden soll, wichtig. Genau dann, wenn ein ganzes Unternehmen dieser neuen Ausrichtung folgen soll, ist es von geradezu elementarer Bedeutung, dass die gemeinsame Vorstellung so konkret wie möglich ist, damit sich alle auf einen gemeinsamen Weg machen können. Auch die Begrifflichkeit des sich „auf den Weg machen“ zeigt, wie sehr wir auf die Dreidimensionalität angewiesen sind, um das, was wir wollen, zu benennen.

Auch um die Sinnhaftigkeit einer Strategie erkennen zu können, ist diese Vorstellbarkeit ein zentrales Element. Ob wir eine Strategie für machbar oder sinnvoll halten, basiert auf unseren bisherigen Erfahrungen und wird auch aus diesen begründet. Soll jedoch eine Strategie wirklich eine relevante Weiterentwicklung sein, liegt dies üblicherweise außerhalb des bisherigen Erfahrungsspektrums. Damit überhaupt die Bereitschaft wächst, in eine solche unbekannte Welt aufzubrechen, braucht es entweder den unbedingten Wunsch nach Veränderung, weil unsere aktuelle Situation gefährlich ist. Oder es braucht die erlebbare Erkenntnis, dass das Künftige deutlich attraktiver ist, als das Vorhandene. Hier kommt in den meisten Fällen auch noch hinzu, dass nicht eine einzelne Person über dieses Thema nachdenkt, sondern ein ganzes Team zu einer gemeinsamen Vorstellung kommen muss. Existiert dieses gemeinsame Zielbild der Strategie, muss auch der Weg dorthin gestaltet und aufeinander abgestimmt werden. All dies braucht räumliches Erleben, damit es nicht nur ein kognitives Konstrukt, sondern ein gemeinsames Erleben wird.

 

Die unterste Hierarchieebene spiegelt den Erfolg oder Misserfolg

Die Umsetzung von Strategien hängt ebenfalls an dieser dreidimensionalen Erfahrung. Wird also auf der Leitungsebene eine neue Strategie entwickelt, reicht es nicht, diese bloß zu verkünden. Vielmehr geht es darum, sie für die einzelnen Handlungsfelder über einen dreidimensionalen Erfahrungsraum auszugestalten. So braucht jeder Bereich eine konkrete Vorstellung davon, wie die Arbeitswelt aussieht, wenn die Strategie gelungen ist. Auch der Weg dorthin muss zu einem konkreten dreidimensionalen Erfahrungsraum werden. Hinzu kommt hier, dass innerhalb der Hierarchie die Menschen, die dort weiter „unten“ angesiedelt sind, sich viel schneller als Opfer einer Veränderung erleben. Denn das räumliche Phänomen eines „die da oben“ und „wir da unten“ spiegelt häufig das reale Erleben der Beteiligten wider.. 

Damit ist die unterste Ebene der Hierarchie, die ja üblicherweise auch den unmittelbarsten Kundenkontakt hat, auch die sensibelste Ebene dafür, ob eine neue Strategie die gewünschte Weiterentwicklung und Produktivität entfaltet oder nicht.

Diese grundlegende und doch sehr einfach nachvollziehbare Erkenntnis des räumlichen Erlebens macht deutlich, warum so manche abstrakte Unternehmensstrategie scheitert. Dort, wo das Zielbild einer Strategie die Dreidimensionalität nutzt und eine gemeinsame sinnesspezifische Grundlage und Vereinbarung auf allen Ebenen geschaffen wird, ist sie erfolgreich.

Die Padberg-Beratung hat vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse in allen Bereichen ihres Unternehmens in den letzten Jahren die Vorgehensweisen und Methoden so gestaltet, dass sie möglichst schnell und einfach im dreidimensionalen Raum erfahrbar werden. Ihre Erfolge in Beratung, Coaching und Training zeigen, dass dort, wo es gelingt, den Raum als Erfahrungsfeld in den Erkenntnisprozess einzubeziehen, die Lösungsfindung um ein Vielfaches schneller und einfacher ist. Im Unternehmensumfeld besitzen die Lösungen, die die Padberg Beratung zusammen mit ihren Kunden entwickelt, eine deutlich höhere Akzeptanz als klassische Methoden, da sie das Ergebnis eines gemeinsamen dreidimensionalen Erlebnisses sind. 

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1) Derks, Lucas: Clinical Experiments in Mental Space, 2019.

2) Derks’ Grundlagenwerk “The Social Panorama Model” (1997) wurde unter dem Titel „Das Spiel sozialer Beziehungen – NLP und die Struktur zwischenmenschlicher Erfahrung” (Klett-Cotta, Stuttgart 2000) ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht. Eine stark überarbeitete und aktualisierte Neufassung erschien 2005 unter dem Titel „Social Panoramas – Changing The Unconscious Landscape With NLP And Psychotherapy“ bei Crown House Publishing Ltd. (UK). Weitere Informationen sowie Texte und Videos zum Thema finden sich auf Derks‘ Website.