Burnout Prävention: Die Signale frühzeitig erkennen und gegensteuern

Nach wie vor werden in unserer Arbeits- und Lebenswelt Erschöpfungszustände oft belächelt und bagatellisiert. Frei nach dem Motto: „Stell Dich nicht so an“ oder „Nur die Harten kommen in den Garten.“ Lange Zeit wurde auch in der Wissenschaft diskutiert, ob Burnout nur eine übersensible Modeerscheinung sei oder ob an diesem Phänomen tatsächlich etwas dran ist. Heute wissen wir, dass Burnout ein Krankheitsbild ist, dass wesentlich ernster zu nehmen ist, als man lange dachte.

Prof. Dr. Dr. Martin E. Keck vom Max Planck Institut in München, hat hierzu eine interessante Studie veröffentlicht, die u.a. besagt:

„Durch andauernden Stress ausgelöste Erkrankungen gehören heute zu den weltweit schwerwiegendsten und bedeutendsten Krankheitsbildern. Burnout – das «Ausgebranntsein» oder «Erschöpftsein» – ist eines davon und betrifft in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen und Schweregraden bis zu 20% der Bevölkerung. 
Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft Stress als eine der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts ein. ... Burnout ist ein Risikofaktor für das Auftreten anderer schwerwiegender Volkskrankheiten wie Depression, Herzinfarkt, Schlaganfall, Osteoporose und Diabetes. Burnout verkürzt unbehandelt die Lebenserwartung. ... Burnout ist heilbar – es ist kein Versagen, keine Willensschwäche!“1

Die Schwierigkeit bei Überlastungssymptomen liegt u.a. daran, dass der schärfste Kritiker gegen irgendwelche Form von Schwächen wir selbst sind. Niemand treibt uns härter an als wir selbst. So kommt es dazu, dass wir die ersten Anzeichen der Überlastung ignorieren, als kurzfristige Schwäche abtun und einfach so weitermachen wie zuvor. Typische Phänomene, die sich hier beobachten lassen, sind verstärktes Schwitzen, Schwindel, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme und Muskelschmerzen.

    Die Energie brennt nach und nach aus

    Da diese Signale oftmals unspezifisch sind und sich schleichend einstellen, werden sie von den Betroffenen nicht benannt und auch vom Umfeld nicht richtig eingestuft. Auffällig wird Burnout meist erst, wenn die Hauptmerkmale des Burnouts auftreten. 

    Hier lassen sich vier Merkmale als besonders auffällig herausstellen:

    1. Erschöpfung: Das Gefühl, körperlich und emotional dauerhaft entkräftet und ausgelaugt zu sein.
    2. Zynismus: Eine distanzierte, gleichgültige Einstellung gegenüber der beruflichen Tätigkeit bei vorhergehendem sehr großem Engagement und Einsatz. 
    3. Ineffektivität: Das Gefühl beruflichen und privaten Versagens sowie der Verlust des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten.
    4. Ohnmacht: Das Gefühl der Hilflosigkeit und des Kontrollverlustes – man reagiert nur noch.

    Doch wie kommt es dazu, dass Menschen in einen solchen Zustand kommen? Die Untersuchungen des Max Planck Instituts zeigen hier neun Faktoren, die dies begünstigen:

    1. Arbeitsüberlastung 
    2. Zeitdruck 
    3. Unerreichbare, unrealistische Ziele – von außen vorgegeben, aber auch selbst gestellt 
    4. Kontrollverlust: Mangel an Einfluss auf die Arbeitsgestaltung, die Aufgaben oder die Abläufe 
    5. Fehlende Wertschätzung, Anerkennung oder Belohnung durch Rückmeldung, Lob, Lohn oder Weiterbildungen 
    6. Mangel an Gemeinschaft oder Zusammenhalt 
    7. Mangel an Fairness 
    8. Wertekonflikt: Es müssen Aufgaben erledigt werden, die nicht dem eigenen Wertesystem oder Weltbild entsprechen und die innerlich abgelehnt werden 
    9. Unscharfe Grenze zwischen Beruf/Arbeitswelt und Privatleben, z.B. durch ständige Erreichbarkeit über Mobiltelefon oder Internet / E-Mail.

    Doch soweit muss es nicht kommen. Wie diese neun typischen Auslöser zeigen, sind neben den externen Faktoren im Arbeitsumfeld auch unsere eigenen mentalen Strategien beim Umgang mit diesen externen Faktoren entscheidend dafür, ob und wie diese bei uns wirksam werden.
     

    Auf die richtigen Mentalstrategien kommt es an

    Bewegen wir uns z.B. in einem wenig wertschätzenden Umfeld, nützt es sicherlich nichts, sich diese Umgebung schön zu reden. Doch ob ich darunter leide, hat viel damit zu tun, wie sehr ich mich in diesem Umfeld als ausgeliefert erlebe oder ob ich meine eigenen Handlungsmöglichkeiten so verbessern kann, dass ich mich von diesen äußeren Faktoren entkoppeln kann. Dies ist ein wichtiger erster Schritt, damit wir zu uns selbst zurückfinden und neue Wahlmöglichkeiten für unser Leben erkennen können.

    Sonja, eine Klientin der Padberg Beratung, kam z.B. mit dem Wunsch ins Coaching, sich beruflich zu verändern. In der ersten Sitzung erzählte sie, dass sie es satt habe, sich für ihre Firma aufzureiben, ohne Dank dafür zu bekommen. Sie berichtete von Äußerungen ihres Vorgesetzten wie: "Das kann doch jeder, was Sie machen. Stellen Sie sich doch nicht so an.“ Über die Jahre hatte sich Sonja in eine so starke Frustration und Wut hineingesteigert, dass sie zunehmend unter Schlafstörungen und Antriebslosigkeit litt. 

    Im Rahmen des Coachings zeigte sich, dass Sonja ihren Chef und alle negativen Gedanken und Glaubenssätze in ihrem mentalen Raum direkt vor sich repräsentierte und jeden Tag die dazugehörigen negativen Gedanken neu durchlebte. 

    Ekkehart Padberg: „Diese inneren Repräsentationen im mentalen Raum führen dazu, dass wir der entsprechenden Person in der realen Welt auch so begegnen. Das wiederum aktiviert die negativen Gedanken und Glaubenssätze. Auch unsere Kommunikationsfähigkeit mit der oder den Personen wird dadurch erheblich beeinflusst. Bis hin dazu, dass wir regelrecht sprachlos werden.“

    Die junge Frau fand im Coaching heraus, wie sie ihrem Chef in ihrem mentalen Raum einen angemessenen Platz außerhalb des zentralen Wahrnehmungsfokus geben konnte. Auch für die negativen Gedanken und Glaubenssätze konnte sie andere Orte im mentalen Raum finden.

    Schon nach diesem ersten Schritt berichtete Sonja, dass sie seit langer Zeit endlich wieder einmal durchgeschlafen habe und erholt aufgewacht sei. Der Arbeitstag sei ihr deutlich leichter von der Hand gegangen und sie war abends nicht so erschöpft wie sonst.

    Im Zuge der weiteren Coachingsitzungen fand sie zusätzliche Handlungsoptionen und vor allem positive Glaubensätze, bei denen sie sich mit ihren alten Stärken und neuen Ideen verbinden konnte.

    Am Ende des Coachings war Sonja gerade in einem Bewerbungsgespräch bei einem neuen Arbeitgeber angenommen worden, der ihre Qualitäten zu schätzen wusste. Sie erlebt ihr neues Arbeitsfeld deutlich attraktiver, da sie ihre Talente und Fähigkeiten aktiv einbringen kann.

    Diese kurze Sequenz aus einem Coaching zeigt, worauf es ankommt:

    1. Wir müssen uns mental von den Stressfaktoren entkoppeln.
    2. Wir brauchen die Hoffnung und den Glauben, dass wir etwas ändern können.
    3. Wir brauchen Zugang zu unseren mentalen Ressourcen.
    4. Es braucht Wahlmöglichkeiten, die uns aus der mentalen Zwangslage befreien.
    5. Es braucht eine zukunftsgerichtete Strategie für das eigene Leben. 

    „Diese fünf Kriterien zeigen, dass es nicht ausreicht, nur den Arbeitsplatz einfach zu wechseln. Dann besteht nicht selten die Gefahr, dass wir unsere limitierenden Mentalstrategien mitschleppen und damit beim neuen Arbeitgeber ähnliche Erlebnisse auslösen, ohne dass wir das wollen“, so Ekkehart Padberg.

     

    Die 12 Stufen des Burnouts: Vom Zwang sich zu beweisen bis zur völligen Erschöpfung

    Die Burnout-Signale möglichst im Anfangsstadium zu erkennen, hilft uns, so früh wie möglich aus dem „Hamsterrad“ auszusteigen, das diesen Prozess beschleunigt. Gleichzeitig können wir potenziell Burnout-Gefährdete auf die Signale aufmerksam machen.

    Wie diese 12 Stufen zeigen, ist die Entwicklung eines Burnouts ein schleichender Prozess. Diesem rechtzeitig zu begegnen, erfordert mit uns und unserer Umgebung achtsamer umzugehen sowie gleichzeitig Mentalstrategien zu entwickeln, mit denen wir uns von den äußeren Stressfaktoren immer wieder entkoppeln können. 

    Die NLP-Ausbildungen und Coachings der Padberg-Beratung mit ihren konkreten Übersetzungen für den beruflichen Alltag, bieten hier neue Methoden und Wege, um genau diese Strategien und Zugänge zu erkennen und nutzbar zu machen.

    Weiterführende Literatur:

    1) Prof. Dr. Dr. Martin E. Keck: Burnout, Wie entsteht es?  Wie wird es behandelt? Was ist der Zusammenhang mit Stress? Wie kann ich vorbeugen? https://www.psych.mpg.de/2319598/Burnout_BroschureA5_171024LOW.pdf

    2) Stressdepression. Die neue Volkskrankheit und was man dagegen tun kann: https://www.psych.mpg.de/2319598/Burnout_BroschureA5_171024LOW.pdf

    3) Das Burnout-Syndrom. Von M. Burisch, Springer Verlag. ISBN: 3-642-12328-7 

    3) Burnout-Informationen von VERDI