Systemische Organisationsaufstellungen in Unternehmen

- Claudia Budana
Lösungswege für komplexe Organisationsthemen auf einen Blick transparent machen
Als Geschäftsführer eines mittelständischen Traditionsunternehmens hatte Peter S. Ende 2008 mit starken Umsatzeinbrüchen zu kämpfen, so dass er 20 % seiner geschätzten Mitarbeiter entlassen musste. Nach 30 Jahren war er selbst gezwungen, sich aus der aktiven Geschäftsführung zurückzuziehen und diese seinem Stellvertreter, Manfred A., zu übertragen. Bereits seit zwei Jahren im Unternehmen, stand der 45-jährige studierte Betriebswirt im Ruf, ein exzellenter Sanierer zu sein. Doch bislang konnte er seine Vorstellungen moderner Unternehmensführung nur begrenzt umsetzen.
Das änderte sich schlagartig mit seiner neuen Position als Geschäftsführer. In nur wenigen Monaten restrukturierte er das Unternehmen von Grund auf: Um der Firma ein neues marktgerechtes Image zu verleihen, tilgte er den Namen des Gründers aus dem Firmentitel. Auf Rat einer PR-Agentur ersetzte er diesen durch einen Kunstnamen. In allen erdenklichen Bereichen reduzierte er die Kosten, sichtbar als weitere Kündigungen, gestrichene Prämien und Materialeinsparungen. Zudem forderte der Sanierer das zuvor außergewöhnliche Engagement der Mitarbeiter jetzt wie selbstverständlich ein.
Der anfänglich beträchtliche Erfolg dieser Umstrukturierungsmaßnahmen währte nur kurz. Die ehemals zufriedenen Kunden zogen sich zurück und hochqualifizierte Mitarbeiter kündigten. Als dann auch noch sichtbar wurde, dass immer mehr der älteren Mitarbeiter in die innere Kündigung emigrierten und ihre Arbeit nur noch halbherzig ausführten, nahm der neue Geschäftsführer zur Padberg-Beratung Kontakt auf. Sein Ziel: "Ich möchte das Unternehmen so schnell wie möglich wieder attraktiv für meine Mitarbeiter und unsere Kunden machen!"
Claudia Budana von der Bonner Unternehmensberatung vereinbarte mit Manfred A. als ersten Schritt innerhalb des Beratungsprojektes eine systemische Organisationsaufstellung. "Diese Methodik eignet sich hervorragend, um innerhalb kürzester Zeit die Dynamik der Ist-Situation transparent zu machen und zentrale Lösungsschritte zu identifizieren", betont die 38-jährige Aufstellungsexpertin.
Vor der Aufstellung klärte Claudia Budana in einem Vorgespräch mit Manfred A. die systemrelevanten Faktoren, d.h. die Faktoren, die ausschlaggebend für die momentane Unternehmenssituation waren: Konkret waren dies die Mitarbeiter, Produkte und Kunden. Für diese System-Positionen wählte er drei Repräsentanten. Diese stellte er inklusive seines eigenen Stellvertreters im Raum an den Platz, der entsprechend seiner Wahrnehmung ihre "Beziehung" zueinander am besten widerspiegelte (siehe Foto).

- Egal ob in Unternehmen, Organisationen oder Teams: Die Organisationsaufstellung spiegelt die Ist-Situation punktgenau wider. Die Figuren symbolisieren das expemplarisch: In dieser Firma sind zwar die Kunden im Fokus des Geschäftsführers Manfred A., die Produkte jedoch gar nicht und die Mitarbeiter nur kaum.
Im Rahmen der Organisationsaufstellung erfragte Claudia Budana im einzelnen die Eindrücke der Stellvertreter. "Jeder Stellvertreter schilderte, wie er die Situation auf dieser Position erlebte. Hierbei wurde sichtbar, dass der Stellvertreter von Manfred A. zwar die Kunden im Blick hatte, nicht aber die Mitarbeiter oder Produkte", betont sie. Kunden und Mitarbeiter waren auf einen Punkt außerhalb des Unternehmens ausgerichtet, zu dem es sie hinzog. "Dort fehlt etwas!" lautete die diesbezügliche Aussage der bei den Stellvertreter.
Der Mitarbeiter-Repräsentant empfand gegenüber dem Stellvertreter von Manfred A.- "ein kühles, distanziertes Gefühl". Der Produkt-Repräsentant verstand sich "abgeschoben und unbehaglich", weil er nicht erkennen konnte, was hinter ihm geschah und ob er noch für die Kunden attraktiv sei. Alle Stellvertreter beschrieben ein Gefühl der "Anspannung".
LÖSUNG:
Claudia Budana: "Die Aufstellung machte deutlich, dass in der Firma verschiedene Grundprinzipien verletzt wurden, die für ein funktionierendes System unabdingbar sind." - Hierzu zählen u.a.:
Das Prinzip der Anerkennung dessen, was ist und das Prinzip der Zugehörigkeit:
Im Zuge der Prozessarbeit wurde das, worauf die Kunden und Mitarbeiter blickten, durch einen weiteren Stellvertreter dem aufgestellten System hinzugefügt. Hierbei handelte es sich um den Firmengründer, Peter S. Denn trotz seines Rückzugs war ein nach wie vor wichtiger Orientierungspunkt für Mitarbeiter und Kunden. Seine Zugehörigkeit und seine Bedeutung für die Firma wurden durch die Aufstellung betont und die notwendige Würdigung durch den neuen Geschäftsführer als Teil der Lösung deutlich. Zusätzlich erlebte der Repräsentant von Manfred A. dadurch eine Entlastung, dass der Gründer-Stellvertreter ihn in seinem Amt anerkannte und ihm großes Vertrauen bescheinigte.
Ferner wurde die Zugehörigkeit der ehemaligen Mitarbeiter in Form eines weiteren Stellvertreters durch die Aufstellung bestätigt und ihr Beitrag für die Firma anerkannt. Dieser Aspekt wog besonders schwer, weil sie durch ihre - wenn auch nicht selbstverschuldete - Kündigung ein maßgebliches Opfer für das Überleben des Systems bzw. des Unternehmens gebracht hatten.
Um Peter S. als alten Geschäftsführer auch zukünftig für Mitarbeiter und Kunden sichtbar zu würdigen, entschloss sich Manfred A., zukünftig wieder den Namen des Gründers in der Firmenbezeichnung erkennbar zu machen.
Das Prinzip des Ausgleichs zwischen Geben und Nehmen:
"Die Aufstellung hat mir auf einen Blick vor Augen geführt, wie sehr ich meine Mitarbeiter unter dem Druck der Restrukturierung des Unternehmens vernachlässigt habe. Bei einer rein klassisch-analytischen Vorgehensweise hätte sich das nicht so schnell und plastisch gezeigt", betonte er. Ihm war jetzt klar, dass er von seinen Mitarbeitern zwar einen hohen Einsatz eingefordert hatte, die entsprechende Würdigung und Anerkennung aber schuldig geblieben war.
Aus den Erkenntnissen der systemischen Aufstellung entwickelte die Padberg-Beratung zusammen mit Manfred A. eine Roadmap für die weitere erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens.
Durch diese Maßnahmen wurden schon nach wenigen Monaten für Kunden und Mitarbeiter der "Geist" und die Werte des Unternehmens wieder am Markt sichtbar. Die Firma konnte dadurch wieder auf einen positiven Entwicklungskurs gebracht werden. Heute stimmt das Betriebsklima, die Produkte sind konkurrenzfähig und seit einem halben Jahr schreibt die Firma wieder schwarze Zahlen.
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Was bedeutet systemische Organisationsaufstellung?
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Haben Sie Fragen?
Gerne beantworten wir diese!
Ansprechpartner:
Claudia Budana, Tel. 0228 / 24 24 657
Ekkehart Padberg, Tel. 0228 / 24 24 854
